FuntasticSix - Allgäu-Orient-Rallye Team 78

... suche nicht das Abenteuer, aber gehe ihm nicht aus dem Weg ...

Tag 1 – Alles wie immer, Hauptsache drängeln. Wir sind unterwegs

Tag 1 | 30. April  2016
gefahrene Strecke: 689 km | Oberstaufen (DE) – Weiz (AT)

07:00 Standesgemäß weckt uns Fury in the Slaughterhouse mit Radio Orchid. Wir haben ja im Jägerhof in Ammenstadt bei Oberstaufen übernachtet, 07:45 ist die Abfahrt zur Startaufstellung geplant. Frühstück gibt es erst ab 08:00 Uhr. Also halt ohne los. Das OK hat sich dieses Jahr was ganz tolles ausgedacht. Rund um die Startrampe sollen sich die Teams in Zehnerblöcken (bei uns also 70-79) gruppieren. Hierzu wurden am Vortag bei der Einschreibung Google Maps Ausdrucke in Briefmarkengröße im Einschreibungsbüro aufgehängt. Das Abfotografieren im Dunkeln ist so effektiv wie der Bauchmuskeltrainer im TV-Shop. Mit Blitz fotografiert gleicht es einer Werbung von „Der weiße Riese“ weißer als weiß.
Wir also durch den Ort gekurvt, haben unseren Platz im Prinzip auch gefunden. Standen ursprünglich Direkt neben dem 80er Startblock. Unser erster Gang war dann der Richtung Startrampe. Auf dem Weg dorthin fielen uns Unmengen großer Lücken auf. Jörn und ich schauten uns an und machten gleich wieder kehrt. Während Simone und siMone Kaffee besorgten fuhren wir die Wüstenschiffe Direkt um die Ecke von der Startrampe. Da ertönte eine Stimme aus dem Hintergrund. „Aha, Wiederholungstäter“. Wir fühlten uns ertappt. Aber nicht der Parkplatzwächter des OK (welcher mit Roller und fest montierten Reissdorf Kölsch Bierkasten zwischen den Teamblöcken hin- und her fuhr) sprach uns an. Es war Michael Dhein, Teamchef der Geisterfahrer Team 19 aus dem Jahr 2014. Eines der Teams mit denen wir das Projekt Stern der Hoffnung durchgeführt hatten. Ganz nebenbei gewann Michael und sein Team auch noch die Allgäu Orient Rallye 2014 nach Amman in Jordanien. Michael wohnt in der Nähe von Konstanz und wollte dem alljährlichen Treiben in Oberstaufen beiwohnen. Kleine Wiedersehens Umarmung, dann hatte auch Michael Dhein seine Aufgabe zugewiesen bekommen. Er wurde FuntasticSix Kameramann für den Start.
Gut, was haben wir jetzt? Locker um 45 Startplätze nach vorne gemogelt, die Aufzeichnung in bunt und HD während der Startprozedur war auch geregelt. Dann also los in Richtung Startrampe (zu Fuß) um dem ersten Tagesordnungspunkt beizuwohnen. Die Teams, die Fahrzeuge, alle Anwesenden sollen in einer kurzen Zeremonie Gottes geistlichen Segen bekommen und mit Weihwasser geweiht werden. Neben dem katholischen und evangelischen Geistlichen war auch noch ein Iman und eine Rabbinerin anwesend, die ihresgleichen in ihrer Sprache und Religion tätigen sollen. Da packte mich die nächste Hand an der Schulter. Dachte, ok, wer ist denn  jetzt noch aus 2014 hier? Mir verschlug es fast die Sprache. Und hier muss ich ein wenig sprachlich ausholen.
Wir hatten am 16.04.2016 unsere Goodbye und Tschööö Party im Potters, der legendären und besten Bar nördlich des Äquators. Und ganz nebenbei auch noch einer unserer Sponsoren. Die FuntasticSix sind natürlich standesgemäß in Teamuniform erschienen. Modehaus Kressmann in Hildesheim hatte uns ja üppig und exklusiv mit sehr modischen und eleganten Tuch und Zwirn ausgestattet. So kam es dass auch einige Gäste gefragt haben was wir so machen oder vorhaben. Einer dieser Neugierigen war Bodo Strübe. Ich ihm also alles erklärt und wie ich das so mache, mit Händen und Füßen, und irgendwie mitreisend und inspirierend. Bodo war sichtlich angetan und kommentierte „So was möchte ich auch mal machen. Schade das ich da nicht mitfahren kann“. Ich entgegnete: „Bodo, mein Lieber, Dir kann geholfen werden. In unserer AOR2016 WhatsApp Gruppe hat gerade das Team 50 – sechs im Weckla geschrieben das denen ein Teammitglied abhanden gekommen ist. Soll ich denen mal Deine Handnummer geben? Wenn Du wirklich willst und Lust hast, hier ist Deine Chance.“ „Klar, kannste machen“ antwortete Bodo in dieser klassischen Art und Weise wo man denkt, hier ist das Gespräch jetzt beendet. So war es dann auch. Naja, was soll ich sagen, dieser verrückte Bodo stand jetzt neben mir
Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. Von Allgäu Orient Rallye bis zum 16.04.2016, 21:00 noch nie was gehört. Am 30.04. also 14 Tage später steht der Kerl mit einem Team auf der Startrampe und fährt mit wildfremden Leuten drei Wochen very basic nach Tiflis in Georgien und wieder zurück bis in die Ägäis. Ok, das haben sie vor, noch sind werden los, noch da, gar unterwegs. Trotzdem, Bodo ist mein Held des Tages. Coole Aktion. Respekt.
Ok, nach etlichen geistlichen Beweihräucherungen ging los, als erstes Team auf der Rampe ist die 111. Das Team von Herma Janssen, 4 Enduros und ein VW Bus T4 machen sich auf den Weg nach Tiflis. Zügig folgen weitere Teams und werden mit dem Beifall vieler Gäste in den Orient verabschiedet. Die Schneehühner (Team aus 2014), Songschreiber und Performer des AOR Rallye Songs „Wir sind Abenteuer“ stellen die Teams jeweils vor. Nachdem wir uns noch ein wenig weiter vorgedrängelt haben sind wir an der Reihe. Alle Lampen an, La Chucaracha brüllt die Hupe vorne (der Kompressor nicht gerade viel leiser) und eben auf dem Dach zeigt das 150db LKW Druckhorn wo der Bartel den Most holt. Aufmerksamkeit, bedingt auch die ultimativen FBI LED-Kühlergrill Flacher ist uns somit uneingeschränkt zuteil geworden.
100m hinter der Startrampe die erste PME für RMS Hildesia. Display des Bordcomputers zeigt an „Ölstand kontrollieren“. Sebastian von Auto Mobil Meisterwerkstatt Groß Düngen GmbH hat uns schon vorgewarnt. Unser Schiff braucht verhältnismäßig viel Öl. Und noch ein bisschen mehr. Also immer genügend Öl dabei haben. Beruhigend. Also gleich mal die Abdeckung (Motorhaube) des Antriebsaggregat geöffnet und schon standen wir vor dem ersten Problem. Der Öldeckel ließ sich öffnen, aber nicht abnehmen. Als wäre er festgeklebt. Keine Chance. Das Teil ließ sich nicht abnehmen. Half nur noch rohe Gewalt. Mit dem Leatherman im Komizangenmodus den Hebel angesetzt und zack. Getreu dem Lied „Kommt ein Öldeckel geflogen …“ verabschiedete sich das gelbe Teil irgendwo im Motorraum nachdem es in der Luft locker 25 Salto Mortale durchgeführt hat und ward nicht mehr gesehen. Ob links, ob rechts, an der Seite oder von unten, bis zum Umkreis von 5m rund um das Wüstenschiff war kein Öldeckel zu finden. Nach unendlich vorkommenden Minuten, die anderen Teams rauschten vorbei, haben wir ihn dann gefunden, so versteckt im Motorrad dass man nur von unten rankommt, und da irgendwie auch nicht. Schließlich gelang es dann doch unter Zuhilfenahme eines freundlichen Regenschirms diesen aus sein Versteck zu locken und dann wieder seinen gewohnten Platz zuzuführen.
Los ging es, erste Rallye Aufgabe. Das Roadbook besorgen. Am Hündle Berg soll der erste der drei Rosengärten aka Friedensgärten entstehen. Bedingt durch das winterliche Wetter der Tage und Wochen zuvor, sowie Bodenfrost konnten die Rosen aber erst mal nur provisorisch gepflanzt werden. Wenn das Wetter es zulässt wird der Garten dann ordentlich angelegt und die Hildesheimer Rose wird neben vielen anderen Teamrosen ihren friedenstiftenen Platz  einnehmen. An dieser Stelle noch mal großer Dank an den Gartenhof Barienrode. Dank Herrn Montag haben wir diese besonderen Hildesheimer Rosen im Gepäck der FuntasticSix.
Mit dem üblichen Fotofinish nach erfolgter „Bepflanzung“ ging es dann rauf mit dem Berglift auf die Bergstation. Nur durch das Singen eines Liedes hatten wir die Möglichkeit das heiß begehrte Roadbook zu bekommen. Wir entschieden uns kurzfristig für das Niedersachsenlied. Passt ja zu uns als Hildesheimer Team mit zwei Wahlkölner im Verbund. Der optimal geträllerte Refrain wurde mit passenden Schalalala Stadion Atmosphäre unterlegt. Nach 15 Sekunden hatte Jochen Gloger vom OK ein Einsehen (oder Ohrenschmerzen, oder beides) und übergab uns das Roadbook mit zwei einzelnen Schuhen. Eine weitere Rallye Aufgabe besteht darin bis Istanbul das Gegenstück des vorhandenen Schuhs zu finden und (gegen was eigentlich) zu tauschen.
An der Talstation wieder angekommen die erste Sonderprüfung. Heute geht es Schlag auf Schlag. und das alles bei besten Wetter. Komplett gegenläufig zur Wettervorhersage. Zum Glück.
Die Sonderaufgabe besteht darin dass einer aus dem Team mit einer Schubkarre und einen komplett gefüllten 10 Liter Wassereimer in der Karre einen Parcours befahren muss. mit allerlei Pylonen, Wippen und anderen Hindernissen. Ziel ist es mit soviel wie möglich Wasser in so kurzer Zeit wie möglich wieder ans Ziel zu kommen. Wir waren ganz gut. 4 Liter Restmenge bei unter 55 Sekunden. Mehr als Durchschnitt. Im Hintergrund gab übrigens eine Trachtenkapelle ein Blaskonzert nach dem dem anderen, als gäbe es keinen Morgen.
Wir waren fertig. mit einer gesponserten Brotzeit im Gepäck wurden wir nun endlich auf die Reise geschickt. Erstes Etappenziel: Die Grenze zu Österreich überwinden. Unser Tagesziel: So weit wie möglich Österreich in Richtung Graz durchqueren.
Kurz vor der Durchfahrt Bad Tölz noch schnell meine gute Bekannte Denise angerufen. Leider nicht da. Also keine Groupies am Strassenrand. Wie nun jeder weiß ist mein Freundeskreis sehr weit verteilt. So auch mein Schulfreund Michael, er wohnt schon seit geraumer Zeit in Bruckmühl, ganz in der Nähe der geplanten Route. Ein Anruf und Kaffee mit leckeren Käsekuchen ist uns gewiß. Man hatte uns nicht zuviel versprochen. Der Käsekuchen war köstlich. Wir wurden dann auch noch  it Baumaterial für eine weitere Sonderaufgabe ausgerüstet. Das Baumaterial welches wir für einen selbstgebauten Drachen benötigen wurde uns komplett von Michael aus seinem gut bestückten Hobbykeller geschenkt. Vielen Dank dafür. Nun mussten wir aber los. Eine lange Fahrt lag ja noch vor uns. Beim passieren der Grenze zu Österreich noch schnell das obligatorische Grenzfoto geschossen, dann weiter.
Das weiße Rössl haben wir nicht gesehen, dafür umso mehr den Wolfgangsee. An schneebedeckten Gipfeln vorbei bewegten wir uns zügig in Richtung Graz. Gegen 23:30 waren im Prinzip in der Gegend die wir uns als Ziel markiert hatten. Jetzt war es den Damen im Team aber zu kalt zum zelten. Sagten sie. Die Außentemperatur mal eben um 20 Grad zu erhöhen war genauso unmöglich wie ein zur dieser Zeit besetze Pension oder Hotel zu finden. Nachdem wir noch kurz die Südheide Team 83  getroffen hatten kam uns der Geistesblitz vor einem Hotel auf dem Parkplatz im Auto, soll hier und heute heißen im sitzen zu übernachten. Immerhin war es nun auch schon kurz nach 01:00 Uhr. Wir hatten schon mal bessere Ideen. Gute Nacht.
Weitersagen:
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Du möchtest was sagen? Gerne, hinterlasse einen Kommentar ...

avatar
Sortieren nach:   neueste | älteste | am meisten bewertet
trackback

[…] Eine Rallyeaufgabe gab es heute noch zu bewältigen. Wir müssen den Drachen bauen. Mein Freund Michael aus Rosenheim hat uns ja mit Material versorgt. Holzleisten und Schnur. Jetzt alles „zusammenkleistern“ und […]

wpDiscuz