FuntasticSix - Allgäu-Orient-Rallye Team 78

... suche nicht das Abenteuer, aber gehe ihm nicht aus dem Weg ...

Tag 16 – Schule ans Netz – Ein perfekter Tag

Tag 16 | Erzincan (TR) –  Ürgüp (TR)
15. Mai 2016 | gefahrene Stecke: 564 km

07:00 Uhr. Wir werden sanft geweckt. Sky and Sand von Paul Kalkbrenner startet den musikalischen Reigen heute. Eine wunderbare Nacht liegt hinter uns. Mit mindestens 4x duschen, einem Weltklasse Bett und jetzt um 08:00 wartet ein großes Frühstück auf uns. Heute können wir es langsam angehen lassen. Und vor allem nichts weg- und einräumen, keine Teller und Tassen waschen. Ein für uns wichtiges Ereignis steht bevor. Wir besuchen heute die Schule der wir jeweils 10 Notebooks und 10 Tablets überlassen wollen. Uns ist es wichtig dass diese Sachspende auch wirklich ankommt und nicht irgendwo abgegeben wird und der Verteilungsschlüssel dann auf ewig ein Geheimnis bleibt. Schon Wochen vor dem Rallyestart habe ich versucht Kontakt mit Schulen und Städten aufzunehmen die auf unserer groben Routenplanung lagen. Vergeblich. Mein Arbeitskollege Yavuz hat sich die Finger wundgeschrieben und -telefoniert. Kein Antwort. Umso besser dass wir im Roadbook ein Tagesziel und Rallyeaufgabe mit einer Schule vorgelegt bekommen haben. Die ehemalige Schule Düzyayla  von Burhan Uzun einem OK Mitglied wird heute besucht. Im Vorfeld hat Burhan Kontakt zur Schule aufgenommen um unsere Übergabe zu avisieren und abzustimmen. Ich glaube Burhan war noch aufgeregter als wir. Die Entfernung zur Schule war überschaubar. Wir konnten also ausgiebig frühstücken und sind gegen 10:00 Uhr losgefahren. Zw. 13:00 und 14:00 waren die Presse und offizielle Vertreter des Dorfes/Stadt vor Ort. Laut unserer Zeitplanung würden wir genau in diesem Zeitfenster eintreffen.
Die Anreise verlief ohne  weitere Zwischenfälle, zumindest für uns. Unser OK Mitglied Jochen haben wir auch der Hälfte der Strecke an einer Tankstelle getroffen. Ihm ist die Kette an seinem Motorrad gerissen. Dank Team 91 Schwobastyle die mit VW Bussen unterwegs sind konnte das Motorrad verladen werden und Jochen fuhr mit dem OK Auto zum nächsten Treffpunkt welcher heute Abend in Ürgüp sein wird. Da muss und wird er sein Motorrad wieder flott kriegen. Neue Erkenntnisse im Bereich optimale Fahrbahnbreiten Ausnutzung haben wir heute auch gelernt. Egal ob gesperrte Spur (wegen neuen Asphalt Arbeiten) oder Abgrenzung für entgegenkommende Fahrzeuge. Hier überholt alles jeden und egal wie und wo. Die Straße oder besser gesagt der Weg von der Hauptstrasse zur Schule war wieder sehr holperig. Ein Schlagloch, tiefer als andere und im freudigen Wechsel zwischen allen Fahrbahnbeläge dieser Welt, oder gar keinen brachte uns die letzten 10km zur Schule. Was uns dort erwartete verschlag uns die Sprache. Die Schulkinder liefen in wunderschön angezogen, teilweise in Trachten über den Platz und hielten Pappschilder in die Höhe. Auf denen stand „Willkommen“, „Wir lieben euch“, „Deutschland“ und was uns besonders berührte, mit dem Team Logo der FuntasticSix. Burhan hatte alles optimal vorbereitet. Einige andere Teams waren auch schon da und brachten auch noch einen Schwung Schulranzen, Schulmaterial wie Stifte, Papier, Kreide und alles was eine Schule und gerade diese Schule gebrauchen kann. Die Lehrer, der Bürgermeister oder Ortsvorsteher, viele Einwohner und Eltern der Schule, alle waren gekommen um uns und die anderen Teams zu begrüßen. Es war wie ein kleines Volksfest.
Zuerst wurden die Schulranzen übergeben. Wie schon bei uns in der Schule von Nadir Tage zuvor ein sehr persönlicher und bewegender Moment. Danach holten wir die beiden Kisten mit der Hardware aus den Fahrzeugen. Etliche Kilometer und Grenzen hat die Ware hinter sich. Auch die nicht ganz einfache Einreise in die Türkei haben wir zweimal gemeistert obwohl die Einfuhr von so vielen Notebooks und Tablets scharfen gesetzlichen Regelungen unterliegen. Jetzt werden die Geräte direkt den Schülern übergeben. Zusammen mit einer Klassenlehrerin überreichten alle Team Mitglieder der FunasticSix jeweils ein Gerät an die Schüler und Schülerinnen. Die älteren Schüler bekamen die Notebooks, die jüngeren die Tablets. Jedes Kind hat freudig, teilweise auch schüchtern auf deutsch „Danke“ gesagt. Wir bekommen immer noch Gänsehaut und feuchte Augen wenn wir daran denken. Wir haben was wirklich richtig Gutes getan. Und auch das Gefühl das richtige getan zu haben. Wir Deutsche neigen immer schnell dazu zu meinen dass wenn eine Schule solche Geräte nicht zentral verwaltet und die Nutzung nicht organisiert diese dann auch schnell verschwinden oder dem eigentlich Zweck entfremdet werden. Das kann ehrlich gesagt auch hier passieren. Aber wenn auch nur zwei Mädchen oder Jungs damit die Möglichkeit habe die schulischen Leistungen so zu erlangen dass sie studieren können und ein gutes Leben führen können, dann hat sich die Aktion schon gelohnt und als erfolgreich tituliert werden. Ich persönlich habe jedenfalls noch nie so viele glückliche Kinder auf einmal gesehen. Es wurden Unmengen von Fotos und Videos erstellt. Das klassische Mannschaftsbild mit allen Schülern und Lehrern und uns durfte da nicht fehlen. Und als Hintergrund die Tafle der Klasse wo auch das Team Logo und Schriftzug FuntasticSix – Spirit of Orient verewigt wurde. Klasse Aktion. Wir hoffen wir bleiben mit der Schule in Kontakt. Der Charity Auftrag der FuntasticSix ist somit erfolgreich abgeschlossen worden. Und Burhan war die Freude und Erleichterung das alles geklappt hat förmlich anzusehen. Ich glaube er hat sich sehr darüber gefreut das wir zusammen das Projekt „Schule ans Netz“ ins Leben gerufen haben.
Nach Cay und vielen geschüttelten Händen und Umarmungen sowie Lob von anderen Teams mussten wir noch eine Aufgabe aus dem Roadbook erfüllen. Wir sollten einen Dorfbewohner finden der Burhan uns Kindheitstagen kennt und uns bisschen was über ihn erzählt. Vielleicht auch was was Burhan vielleicht nicht mehr gerne hört 🙂 Wir haben ih gefunden, er war auch auf dem „Volksfest“ im Dorf. Burhan haben wir dann als Übersetzer genutzt.Nah der Dokumentation des ganzen ging es dann weiter in Richtung Ürgüp. Ca. 350 km lagen noch vor uns. Im direkten Nachbarort haben wir noch gegessen, einige Teams aßen dort auch köstliche landestypische Speisen. Neben frisch gegrillten Hähnchenspiessen wollten wir noch einen Salat und zwei Köfte essen. Der Wirt hat das alles als ordentliche Portion verstanden, so bekam halt jeder von uns Hähnchenspiesse mit Salat und Brot, und zusätzlich noch eine Portion, nicht zwei Stück Köfte mit Salat. Mehr als satt, im Prinzip kurz vor dem zerbersten ging es dann weiter.
Unterwegs haben wir noch einige Filmaufnahmen getätigt. Und Simone und ich haben Karnevalskaraoke gesungen. Hoffentlich sind die Aufnahmen nichts geworden.
In Ürgüp angekommen weissten uns wieder AOR Schilder den Weg. Die Gedanken von extrem abseits ohne Zivilisation (ähnlich einer Mars Kolonie) schossen uns wieder durch den Kopf. Doch wir wurden eines besseren belehrt. Das Fahrerlager war sehr zentral in der Stadt. Ügrüp ist auch sehr bei Touristen beliebt, ws sich dann auch gleich wieder in den Preisen von Essen und Getränken widerspiegelt. aber endlich mal Kontakt zu Stadt und Einwohner. Ein Hotel direkt gegenüber mit Hamam wollten wir nicht. Wir hatten ja schon gestern ein mehr als optimales Hotel genossen. Essen mussten wir auch nicht mehr. Wir konnten uns in aller Ruhe das nächtliche Treiben der Stadt ansehen und geniessen. Mitten auf der Plaza tranken wir Kaffee und aßen Eis. Das war alles nicht besonders lecker und auch nicht günstig, aber wir waren mitten in der Stadt die so voller Leben war. Wann hatten wir das denn das letzte mal gehabt? Daher war der preis auch in Ordnung. Zweckgebunden sozusagen. Die türkische Version von FC Bayern München ist Fussball Meister geworden. Viele Autos mit Flaggen fuhren hupend durch die Stadt. Wir sogen den Duft der Stadt förmlich in uns hinein. Den Spirit den man durch sowas erfährt ist das was wir seit Beginn der Rallye stark vermisst haben. Jetzt ist er da. Zusammen mit den Dustbustern zu denen sich eine enge Team-Beziehung aufgebaut hat haben Abends noch lange zusammen gesessen und gequatscht. Und das eine oder andere Efes durfte auch nicht fehlen. Simone und ich sind dann auch noch mal quer durch das Fahrerlager und haben lange mit Cord gequatscht. Fast täglich suchen wir gegenseitig den Kontakt zum Austausch von Infos und Erlebten und Zukünftigen. Aus einem lockeren Gespräch für ein Projekt Hamburg – Shanghai wurden handfeste erste Planungen. Mal sehen wann und wie und ob wir es wirklich umsetzen. Das eine oder andere Gespräch mit anderen Teams war dann der Abschluss des heutigen Tages, den wir als Team so schnell nicht vergessen werden (und dürfen) Noch mehrfach hat mich Burhan in den Arm genommen. Er war immer noch gerührt über die Aktion. Burhan, das haben wir gerne gemacht. Ich freue mich dass wir zusammen mit unseren Partnern dieses außergewöhnliche Hilfsprojekt durchgeführt haben. Vielen Dank. Bis morgen.
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[…] unsere Notebooks und Tablets haben sich die Schülerinnen und Schüler in der Schule in Düzyayla gefreut. Und was uns sonst noch alles passiert ist seht ihr […]

Michael
Gast

Wow, sehr ordentlich. Viele Fotos, mit Begeisterung gelesen und angeschaut. Noch knapp eine Woche? Wir sind gestern im A380 über die Türkei drübber, hier daheim ist es zwar kalt abba noch imma am schönsten…

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