FuntasticSix - Allgäu-Orient-Rallye Team 78

... suche nicht das Abenteuer, aber gehe ihm nicht aus dem Weg ...

Tag 6 – Herdentrieb in Istanbul

Tag Wetter Wir
06 08052014 5
Route
Istanbul europäisch- Istanbul asiatisch
gefahrene Strecke: 112 km | Fahrzeit (inkl. Pausen, Tanken) 4:35 Std.

08.05.2014

Heute singt Prince ungewöhnlich spät. Es ist 07:00 Uhr. In unserem kuscheligen 6-Bett Zimmer mit 0,5m Gang und Platz zwischen den Doppel-Hoch-Betten wird noch geschlafen. Ich muss rau, um 08:00 ist Teambesprechung im Fahrerlager.
Die nächste Sonderprüfung steht an. Dafür erhalten wir Instruktionen. Und heute wird man auch die gewollte, grundsätzlich immer den äußeren Umständen entsprechend, nicht perfekte Koordination der Rallye spüren. Sie soll einen gewissen Teil der Rallye ausmachen. Ich, bzw wir vom Team 78 sind da geteilter Meinung.
Im Fahrerlager herrscht auch noch Ruhe. Die Jungs von Team 89 aus Tirol bieten mir ein leckeres Speckbrot an. Geduscht, aber ohne Kaffee, überhaupt ohne irgendwas im Magen mehr als nur eine freundliche Geste.
Jeder Teamchef soll zum Meeting Point ein Ersatzrad mitbringen und das weiße Maha T-Shirt anziehen welches wir am ersten Rallye Tag erhalten haben. Das Thema T-Shirt bringt einige Teams schon ins trudeln. Von „habe ich für die letzte Ölkontrolle benutzt“ bis „ich war damit auf Dixie-Land“ hat man alles gehört. An dem Meeting Point wurde die Startnummer vergeben. Der Startplatz hat sich nach einer Schätzfrage gerichtet die wir am ersten Rallyetag beim Reifenwechseln beantworten mussten. Die abmontierten Räder mussten ja über einen Parcours zum nächsten Auto gerollt werden. Die Schätzfrage dazu: „Wieviel Umdrehungen hat das Rad in dieser Zeit gemacht?“. Jörn sagte 49, wir anderen 5 waren der Meinung, es waren über 100 Umdrehungen. Wir haben uns dann auf 110 geeinigt. Das wir mit Startplatz 89 beglückt wurden hängt dann damit zusammen, dass man ruhig mal auf Denker hören sollte. Es waren 40 Umdrehungen. Immerhin waren wir nicht unter Startplatz 100. Die Jungs von Chasing Orient Hills (Team #13) waren auf Platz 109. Und das hat jetzt mit dem oben angesprochenen kreativen Chaos zu tun. Das OK (Organisationskomitee) hatte schilchtweg vergessen das Ergebnis der Schätzfrage bei Team 13 zu dokumentieren. Kann sowas wirklich passieren? Wir wissen es nicht und werden es nie erfahren.
Vier Reifen wurden einem Stapel dekoriert, zwischenzeitlich waren die andern Mitglieder der Teams erschienen. Nach dem Start soll das Ersatzrad einmal um das Hippodrom gerollt werden. Mit über 100 Rädern wäre es wohl das größte Ersatzradrennen der Welt und daher auch Guiness-Weltrekord-verdächtig. Wir hatten uns für eine Herrenstaffel entschieden. Carsten war mit Radwechsel am MS Wappen von Moritzberg beschäftigt, fiel also aus. Jörn sollte das erste Drittel laufen, bzw. so lange wie er kann und schnell ist. Dann übernimmt Cord, unser Marathonläufer. Ich sollte dann das letzte Drittel übernehmen, damit wir auch „korrekt“ gewertet werden. Dann auf meinem schneeweißen, unbenutzten Maha T-Shirt klebte die für die Messung wichtige Startnummer.
Der Startschuss fiel und die Meute machte sich mit Schlangenlinien und lauten Getöse auf um jeweils den Sieg zu erringen. Ein Team war besonders schlau und ist mit einem Notrad angetreten. Coole Idee könnte man meinen. Durch die Konstruktion, Unmengen von Überdruck im Reifen (wie bei Noträder üblich) war das rollen des Rades unkontrollierbar. Wertung fernerliefen.
Alles richtig gemacht hat ein Team welches mit einem Reifen angetreten war der fast Treckergröße hat. Keine Ahnung wo das Teil hergekommen ist.
Ich bin also nach dem Start quer rüber über das Hippodrom um den „Staffelstab“ zu übernehmen. Kurze Zeit später kam die Meute an. Kurze Zeit danach stand ich immer noch da wo ich gewartet habe. Kein Cord, kein Jörn zu sehen. Wie auch, wenn als das gleiche T-Shirt tragen. Cords hätte ich erkennen können (Stichwort Ölstab“). Hätte hätte Fahradkette, ich bezweifle, dass irgendjemand eine Zeitmessung vorgenommen hat. Ich glaube eher das OK feixte sich einen, dass über 600 Bekloppte mit ca. 100 Ersatzreifen durch die Gegend kullerten.
Noch mal das Thema Ersatzreifen und Carsten und MS Wappen von Moritzberg. Wir hatten festgestellt dass an diesem Fahrzeug die Innenfläche das rechten Vorderreifens schon so stark abgenutzt war dass fast das Gewebe des Reifens zu sehen. Weiterfahrt sehr gefährlich. Aber wozu hat das Team in Summe 6 Ersatzreifen an Bord. Somit war dieses Problem schnell behoben.
Wir haben uns noch gar nicht zu akuten Problemen bei den Wüstenschiffen geäußert. Fassen wir kurz zusammen, damit die Leserschaft informiert.

  • MS Rose: Zündspule (wurde geklebt, hält immer noch)
  • MS Huckup: regelmäßige Kühlwasserprobleme, wird zu heiß. Problem lässt sich aber in den Griff bekommen. Heizung auf volle Pulle und mit 35° Grad im Auto schön kuschelig bis saunaartig.
  • MS Huckup: Lichtmaschine läuft auf „gerade mal so“. Mussten schon zweimal Starthilfe eines anderen Wüstenschiffes anfordern. Die zusätzlichen Verbraucher wie zwei iPhones, iPAD, GoPRO-Cam und Funkgerät machen der Batterie zu schaffen, ich bin aber zu bequem die Last auf ein Minimum zu reduzieren. Immerhin bin ich somit in der Lage im Falle einer Panne die Facebook Community über diese Misere zuerst zu berichten.
  • MS Wappen von Moritzberg: sauft Kühlwasser wie ein Schluckspecht. Keiner weiß was da so einen Durst hat und regelmäßig Nachschub fordert. Es ist aber zum Glück nicht Geselle Zylinderkopf.
  • MS Wappen von Moritzberg: das Schiff steht lieber auf Tagesfahrten. Wenn es dunkel wird brennt schon mal gerne die Glühlampe des Fahrlichtes durch. Erst links dann rechts. Zum Glück ist es das Fahrzeug ohne Xenon Licht. In Jörn’s ultimativer Glühlampen Ersatzbox war auch eine H1 Lampe enthalten. Als dann kurz danach das zweite Licht ausgefallen ist musste er erst mal einäugig weiterfahren. Die Tankstellen an denen wir getankt hatten verfügten über kein Ersatzleuchtmittel

Wie sich heute herausgestellt hat, haben uns zufällig am gestrigen Tag einen sehr publikumsaffinen Platz ausgesucht. Ein Säule auf dem Hippodrom, der Obelisken, ist der Besichtungungsmagnet von Reisegruppen. Diese Säule steht unmittelbar an unseren Fahrzeugen. Neben deutschen, australischen und amerikanischen Touristengruppen durfte eine Gattung nicht fehlen, eigentlich zwei. Die Koreaner und die Chinesen. Wir und unsere Fahrzeuge sind seid heute auf unzähligen Fotos vertreten. Wichtig war das wir die chinesischen Frauen immer in den Arm nahmen, auch wenn sie teilweise nur halb so groß wie wir. Fotos wo wir nur daneben standen mussten sofort wiederholt werden. Unsere Idee die Flaggen der Länder die wir durchqueren auf die Fahrzeuge zu kleben war die beste überhaupt. Es gibt keine einfachere Art und Weise darzustellen was wir machen und vor allem wo. Viele Besucher haben die Gelegenheit genutzt sich auf unseren Wüstenschiffen zu verewigen. Was die chinesichen Zeichen oder anderen Sprachen die ich oder wir nicht beherrschen bedeuten wissen wir nicht. Ich glaube es hat einfach was mit „gute Fahrt“ oder „viel Glück“ zu tun. Andere behaupten (die keine Widmung erhalten haben) da steht so was wie „das Fahrzeug ist gestohlen“ oder „bringt sie alle um“. Ich glaube sie sind neidisch. Hoffentlich.
Das nächste Highlight bahnt sich an. Die Istanbul Rallye vom Hippodrom zum Fähranleger. Die Autofähre, neben der Israel Fähre die einzig erlaubte Fährverbindung, bringt uns in den asiatischen Teil Istanbuls. Um 14:00 sollte mit einem Le Mans-Start die City-Rallye beginnen. Wir hatten uns überlegt, es war ca. 12:30, noch schnell das Roadbook zweifach zu kopieren. Die Chinesen-Rallye steht an und im Roadbook sind die Hinweise meistens bebildert. Da sechs Augen meistens mehr sehen als zwei, und die schauen evtl. gerade in das Buch (oder posten fleißig) ist man am Hinweis vorbeigerauscht. Ein Copy-Shop wurde schnell gefunden. Für eine SIM Card von turkcell war keine Zeit mehr, die werden wir wohl in Ankara holen müssen. Datentarife von heimatlichen Providern machen einen arm. Die Alternative auf inländische Provider zu wechseln ist kostengünstig besser. Also sind wir noch weiterhin auf WLANs in Restaurants angewiesen, das stellt im Prinzip auch kein Problem dar, man muss halt nur dort hin. Vor dem Hintergrund dass wir (gewollt) das Team mit den meisten Kaffeepausen unterwegs sind, die eine oder andere Abfahrt auch mal verkehrt nehmen, bleicht am Ende des Tages nicht mehr viel Zeit. Und Hunger hat man auch noch irgendwann.
Se es drum, wir gehen also zurück zum Fahrerlager. Ein Geldautomat direkt davor verführt uns noch schnell türkische Lira zu holen, als plötzlich hinter uns schon die ersten Wagen mit Getöse und Gehupe durchdonnern. Es war 13:35. Wie jetzt? Ich denke 14:00. Somit hat sich unser Le Mans-Start so dargestellt dass wir vom Bankautomaten bis zu den Autos die hinter im ersten Drittel des Platzes standen gespurtet sind. Rein ist die Schiffe, Motoren an und loooooos. Nach 10m standen wir mit anderen 200 Autos vor der Ausfahrt, dann aber setzte sich der Groß in Gang. Unter Beifall von Schaulustigen, der Presse, des Fernsehens und mit allen was unser Hupen und meine Druckluftfanfare hergibt sind wir raus aus dem Hippodrom. Es galt die schnellste Zeit vom Hippodrom zur Fähre zu fahren. So steht es im Roadbook. Bindend ist die Zeit die auf dem Fährticket steht wenn das letzte Fahrzeug eines Teams dieses entwertet hat. Zwei Probleme tauchten da auf. Erstens. Nicht auf jedem Ticket steht die Uhrzeit drauf. Keine Ahnung warum. Zweitens. Wer startet die Uhr am Hippodrom? Fragen über Fragen, die aber im Gejubel und Törööö des Autokorsos untergingen.
Bei der ersten Abzweigung fuhren alle rechts. Wir links. Warum? Ich weiß es nicht. Wir hatten dann gewendet. Die Einfahrt zur Fähre war kurze Zeit später auf der linken Seite zu sehen. Wie in Köln natürlich kein linksabbiegen möglich. Ich habe dann hier einen meiner Statusmeldungen erfunden. „Wir sind hier um Rallye zu fahren, nicht um Verkehrsregeln zu beachten“ Die beiden Fahrzeuge vor mir wollten auf eine „offiziell“ Möglichkeit zum Wenden fahren. Meiner Ansicht nacht wäre das frühestens an der nächsten Grenze möglich gewesen. Aber gewisser Verkehr an den Ampelkreuzungen verleiten, zumindest mich, zu einer Panzerwende. Nach gefühlten 80km hatten die anderen auch die Nase voll und wagten sich in den Bereich des türkischen Fahrstiles.
An der Fähre angekommen, parkten neben uns die Schneehühner. die Band die den offiziellen Allgäu Orient Rallye Song performen. Da siMone gar nichts peinlich ist, läßt sie sich mit Ihnen zusammen ablichten. 6 Mal. Dafür habe wir eine signierte CD mit dem Blockbuster „Wir sind Abenteuer“ geschenkt bekommen. Perfekt eingefädeltt. Somit können wir unsere Song Variante die wir noch auf der Bühne live singen müssen optimal einstudieren. Nur die Karaoke Version die uns auch vorliegt ist da wenig hilfreich.
Bekannterweise tummeln sich mehret Teams auf der Fähre. Also fuhr der Groß dann auch gemeinschaftlich los. Da wir Deutsche sowieso dem Herdentrieb verfallen sind (ich kriege jedes mal rote Flecken im Gesicht wenn ich die Schlange an der Wursttheke im HIT stehe die sich auf den ersten 3 cm der 20m langen Theke anfängt aufzustellen) war schnell ein Allgäu-Orient-Rallye-Wurm entstanden der sich durch die asiatischen Straßen von Istanbul schlängelte. Noch interessanter an dieser Sache ist der Gedanke, dass alle, aber auch wirklich alle dahinter denken, nein sie sind sogar überzeugt, dass das erste Fahrzeug genau weiß wo es langfahren muss. Also alles ganz easy. Bis wir plötzlich vor einer Mautstation an der Autobahn standen. Wir und mindestens sechs weitere Teams. Die Notfallspur der Polizei und Feuerwehr die uns glücklicherweise vor der Mautstation zum Verlassen der Autobahn genutzt wurde war dann das Ende dieses Wurms. Er hat sich dem Suizid ergeben und zerstückelte sich eigenhändig in sechs Teile, den einzelnen Teams, die dann wiederum alle schlauer waren als die anderen. Wir waren schon in der Lage uns ovalförmig an das Ziel heranzureifen, nur irgendwann findet man das auch selbst nicht mehr witzig., Die Situation, einfach mal rechts an der Straße stehen zu bleiben und sich zu beraten fand eine zivile Polizeistreife nicht sinnvoll und forderte uns mit für uns unverständlichen Gebrabbel aus dem Außenlautsprecher und seiner echt coolen Sirene zur Weiterfahrt auf. „Nichts-Peinlich-siMone“ hat die glorreiche Idee den Polizisten nach dem Weg zu fragen und es kam was kommen musste. Denn eines muss man wirklich sagen. Die Türken sind extrem auskunftsfreudig und hilfsbereit und erklären einem extrem ausdauernd den Weg zum Ziel. Das Problem ist nur, dass fünf Auskünfte das selbe Ziel meinen, es aber völlig unterschiedlich auf den Karten zeigen. Nicht so der zivile Stadtsheriff.Er bot sich an ein sechstel des gestorbenen Wurmes hinter sich zu spannen und bis zum Ziel vorzufahren.
Inzwischen war auch endlich die Sonne weg und gewohnter starker Wind und Regen setzte ein. Grundsätzlich immer wenn wir uns für eine Nacht im Freien entschieden haben. Wir waren mit Abstand nicht die letzten die am so umsagten Allgäu-Orient-Rallye Park. Auf dem Hügel soll das Jugendzentrum entstehen. Dafür haben wir uns jedes andere Team Teile des Dachstuhls und Farbe mitgenommen.
Nachdem wir uns einen schönen Platz ausgesucht, unsere Plane (Danke Mike Behrendt für den Tipp) trotz Orkanstärke ein wind- und zugfreie Zone geschaffen haben, sind Jörn und Simone mit dem Wüstenschiff noch mal los und haben Proviant besorgt. Die ersten Utensilien aus unserem McGyver Überlebenskoffer den wir von siMone’s Bruder bekommen haben zum Einsatz. Zwischenzeitlich war Thomas Gericke und sein Team 13 von den Chasing Orient Hills der Meinung uns (direkt gegenüber) und von halb Istanbul mit Systemtönen über Außenlautsprecher wie Gefurze und Gerülpse zu unterhatten. Nana Mouskouri mit „Guten Morgen Sonnenschein“ war jetzt zeitlich unpassend, dafür laut genug um alle an den Rande des Wahnsinns zu treiben. Irgendwann war der Spieltrieb befriedigt und die Jungs sind schlafen gegangen.
siMone hatte die tolle Idee, nachdem Cord und Carsten, sowie Simone und Jörn festgelegt haben im Auto zu schlafen, in unserem Fahrzeug ein Zelt aufzuschlagen. Wie gesagt, im Auto, nicht vor dem Auto. Nachdem wir uns alle fragend angesehen haben, wurde das Zelt zwischen den Autos aufgeschlagen. Irgendwie bin ich mit Gefühl eingeschlafen dass der heutige Tag mit dem dem ganzen Hin und Her nicht der letzte Tag oder sogar die Spitze des Eisberges war. Ich sollte Recht behalten.

Macht es gut, bis morgen.

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