FuntasticSix - Allgäu-Orient-Rallye Team 78

... suche nicht das Abenteuer, aber gehe ihm nicht aus dem Weg ...

Tag 7 – Franzosen sprechen kein Englisch. Auch nicht in der Türkei.

Tag 7 | Istanbul (TR) – Haymana (TR)
06.Mai 2016 | gefahrene Strecke: 455km

06:35 Die Enduros vom Team 49 Rough Ryders holen heute jeden auf dem Rallyepark aus dem Schlaf. Von unserer Seite aus noch mal größten Respekt an die Jungs. 6 Motorräder, kein zusätzliches Fahrzeug dabei. Die müssen alles was die brauchen in die beiden Koffer pro Enduro packen. Nicht mehr und nicht weniger. Zu dem nicht weniger gehören z.B. auch Zelte. Das Team schläft grundsätzlich neben den Motorrädern in Schlafsäcken. Und es nicht gerade warm, und es regnet auch noch dazu.
Heute geht es in Richtung Ankara. Viele Teams, einschließlich wir, sind ein wenig verwirrt über das eigentliche Ziel. Ist es jetzt nun Direkt Ankara oder das ca. 80km südlich gelegene Haymana, welches auf dem Roadbook den Zusatz Ankara enthält. Wir entscheiden uns für Haymana und zwar auf dem direkten Weg. Der Fussboden in den Örtlichkeiten im Rallyepark zeigen deutlich dass über 300 Leute seit gestern Abend dringend die eine vorhandene Dusche und noch dringender die beiden Toiletten genutzt haben. Die nasse Witterung hat dem Fussboden dann den Rest gegeben. Selbst für den Swirl Magic Wischmop eine nahezu unlösbare Aufgabe. Kleine Katzenwäsche vor den Fahrzeugen, ebenso ein Frühstück im Freien mit dem was noch da ist. Weissbrot, Käse, Wurst und natürlich darf der lösliche Kaffee nicht fehlen. Ich bin gespannt wie uns der häusliche Kaffee schmecken wird wenn wir wie zu Hause sind. Aktuell sagt sogar jeder „lecker“. Selbst Jörn der sich in den letzten 6 Monaten Melittamann 2.0 per Selbststudium hat ausbilden lassen.
Nachdem nun alles verstaut wurde, auch das widerspenstige Wurfzelt (ich werde es nie begreifen) ging es los. All diejenigen die nach dem Enduro Wecker wieder eingeschlafen sind haben wir sanftmütig mit unseren Nebelhörnern geweckt um auch liebevoll „Good Bye“ zu sagen.
Der Weg in Richtung Fahrerlager Haymana war gut zu fahren, die Strecken die die Fahrwerke der Wüstenschiffe an die Grenzen bringen kommen erst noch. Also relax. Es läuft gut. Auch im Vergleich zu den anderen Teams die wir per GPS Track verfolgen. Hunger und menschliche Bedürfnisse zwingen uns zur Pause. Wir hatten Glück, eine unscheinbare Raststätte entpuppte sich als sehr gute landestypische Küche. Wir haben gut gegessen. Und WLAN gab es auch. Und Strom 🙂 Leider sind die WLANs nicht immer so performant wie man es gerne hätte. Hinzu kommt immer noch die Tatsache das die ersten beiden Tage mit Filmmaterial in der Dropbox immer noch nicht synchronisiert wurden. Die Dateien sind einfach zu groß, 4 weitere Tage warten noch auf den Speicherkarten auf den Kopierbefehl. Beutetet also, dass jedes Mal wenn ich mein Notebook in einem WLAN verbunden habe werden sofort und unaufhörlich die Datenpakete gesendet. Naja, es gab auch Zeiten da empfanden wir 28.8 kB als schnell.
Die vorbereiteten Tagesberichte habe ich jedenfalls noch mit Fotos hochladen können, am Schluß waren wir aber trotzdem über 1,5 Stunden hier gewesen und haben Rast gemacht. Und immer noch weit vorne. Weiter ging in Richtung Tagesziel. Kurz hinter dem Rasthof tauchte eine TÜV Türk Station auf. es gibt noch eine weitere Sonderaufgabe die wir zu bewältigen haben. Vom OK haben wir TÜV Türk Postkarten bekommen. Hier soll jedes Team auf deutsch oder englisch einen Gruß und eine Botschaft für Umsicht im Straßenverkehr schreiben die dann an junge Verkehrsteilnehmer geschickt werden. Das ganze dann natürlich auf türkisch übersetzt. Die Karten sollen an einer TÜV Türk Station abgegeben werden. Zur Kontrolle und für das Roadbook müssen Fotos bei der Kartenübergabe und mit dem Stationsleiter gemacht werden. Wie üblich wenn man als Rallyeteilnehmer plötzlich irgendwo auftaucht wird erst mal Tee (Cay) gereicht. Die Fahrzeuge erzeugen auch immer genug Aufmerksamkeit. Unzählige Fotos durch die Mitarbeiter der TÜV Station werden gemacht. Man hat immer das Gefühl länger bleiben zu wollen, die Gastfreundschaft ist wie immer überwältigend. Aber die Zeit hängt uns auch im Nacken. Also weiter. Der Rest der Strecke war unspektakulär.
In Haymana angekommen war die Aufgabe das Fahrerlager zu finden eine größten Herausforderungen des Tags. Aber selbst das klappte überraschend gut. Vielleicht war es auch Zufall. Das Fahrerlager war auf zwei Plätzen verteilt, eines auf einem Vorplatz eines Hotels, das andere auf einer Art Schulplatz. Auch wenn der Ort für seine Haman Bäder weltberühmt ist, uns beschleicht verstärkt das Gefühl das das OK oder die türkischen Offiziellen (oder beide) uns aus den Zentren in Istanbul und Ankara bewußt raushalten. Nur ohne Ankara und Istanbul geht es halt bei der Rallye nicht, also werden die Aufenthalte dort auf ein Minimum beschränkt. Eigentlich schade, und in diesem Zusammenhang doch eine Art Kapitulation vor den Geschehnissen und den damit verbundenen Zielen der Irren die meinen ihre Ideologie durchbomben zu müssen. Also heißt es das Beste draus zu machen. Im Fahrerlager gab es beim Nachbar Team #33 Dustbusters echten Filterkaffee. Die Einladung auf eine Tasse davon konnten wir gar nicht ablehnen. Wir haben ausgemacht, dass wir uns mit frischen Brötchen und selbstgerechter Erdbeermarmelade am nächsten Morgen revanchieren werden. Für heute möchten wir gerne ein Hotel haben. 4 Nächte hintereinander im Auto und Zelt lechzen förmlich nach Federkernmatrazen. Die immer Griff bereite Übernachtungstasche und den Rucksack mit Steckdosenleiste und etlichen Ladegeräten und -kabel gegriffen und los. Wenn Hotels gebucht werden ist das immer eine Simone&Simone Aufgabe. Das erste Hotel welches uns „empfohlen“ wurde sollte eigentlich 140 TL kosten. Der Eingangsbereich machte eher den Eindruck als wäre die Abrissbirne gerade durch den Flur gehuscht. Zimmerbegutachtung durch die beiden Simones. Keine Ahnung wie groß die Zimmer waren oder was noch alles besprochen wurde, Jörn und ich haben jedenfalls gefühlte Ewigkeiten unten vor dem Eingang gewartet. Der Abrissbirnen Eindruck schien sich in den Zimmern fortzusetzen. Ein Blick sagt manchmal mehr als 1.000 Worte. Also weiter, das Hotel ist höchstens für Plan G akzeptabel, zwischenzeitlich war auch schon bei 40 TL pro Nacht und Zimmer angelangt. Ein weiteres Hotel am Platz des anderen Fahrerlagers sollte es nun werden. Um es vorweg zu nehmen. Wir haben dort geschlafen. Aber die Kommunikation und Preisverhandlung gestalteten sich als extrem schwierig. Die türkische Hotelbesitzerin konnte neben der Muttersprache nur französisch. Bisher eine sehr außergewöhnliche Konstellation. Aber nach einigen Anläufen hat es dann geklappt.
Die Zimmer, von der Größe eines Doppelbettes plus 50cm rundum hatten zwei Probleme die bei der Besichtigung nicht kontrolliert werden konnten. Das WLAN reicht nicht bis in den ersten Stock. und Warmwasser gab es nur wenn man Besitzer einer Kombizange war. Letzteres empfand ich auch als einmalig.
Vor dem Hotel auf dem großen Parkplatz (Fahrerlager II) absolvierte gerade jemand seine Mallorca Party DJ Abschlussprüfung. Neben 3-5 AOR’lern war niemand auf dem Platz, was ihn aber nicht daran hinderte die BummBumm Bässe mit aller Gewalt und Lautstärke in den Nachthimmel zu hämmern.
Gegessen haben wir dann zusammen mit dem Team 50 „6 im Weckla“ köstliche türkische Speisen für insgesamt 130 TL. Bei 10 Personen waren das also 13 für jeden. was umgerechnet ca. 4 Euro bedeutet. Enthalten war in dem Preis übrigens auch 2 Dosen Coke Zero. Noch Fragen?
Zurück zum Hotel empfang ich es als sehr beruhigend das der Ehrgeiz des Party DJs komplett verschwunden ist. Das einzig empfangsbare Fernsehprogramm  zeigt noch den türkischen Peter Roth der Tagesthemen. Unsere Mutti Merkel war kurz zu sehen. Also alles gut zu Hause. Bis später.
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Michael
Gast

Wie immer ein spannender Textbeietrag. Wie immer ist unsere Neugier groß auf die Neuigkeiten. Ich nehme an beim schreiben wollen alle Ereignisse auf einmal über die Tastaur ins heilige Reich des Indernets um ins Bit und Byte Nirwana die Erlösung zu erlagen. Viele Grüße und mind your clutch…T+M

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