Grenzübergang mit Augenaufschlag. Flirtversuch zwecklos.

Guten Morgen aus dem sonnigen Litauen. Die Sonne scheint, das haben wir uns mehr als verdient. Denn die Regen- und wolkenbehangenen Tage haben schon einen guten Teil der Rallye ausgemacht. Wir frühstücken wieder schön draußen und in der Sonne. Frischer löslicher Hochland Kaffee. Und alles was die Kühlbox noch hergibt. Obst, Jogurt, Käse und Wurst.

Heute wollen wir nach Kaliningrad. Setzen hierzu in Litauen mit der Fähre auf die Nehrung über wo es einen kleinen Grenzübergang nach Russland gibt. Wir erhoffen uns hier weniger Verkehr und dadurch einen schnelleren Grenzübertritt. Die Fährverbindung funktionierte tadellos, keine Wartezeit, direkt als letze auf die Fähre gefahren und gleich los. Die Überfahrt dauert 10 Minuten. Die Strecke führt durch Naturschutzgebiet, hierfür sind 20 EUR Gebühr fällig, belohnt wird man dafür aber mit einem herrlichen Duft aus Pinienwald und Nadelhölzern. Wir freuen uns dass unsere Klima nicht funktioniert und wir somit lebendiger Teil dieses Waldes werden. Strandpromenade und Wald wechseln sich ab. Zeit für einen Cappuccino am Strand. Parallel werkelt Jörn noch ein wenig am Auspuff der MS Wappen von Moritzberg III herum. Und zack war das Auto auf einmal doch bemerkbar leiser als vorher. Die beiden Rohre die ein wenig aus der Muffe herausgerutscht waren hat er dann mit schwer entflammbaren Kabelbindern fixiert. Funktioniert prima.

Auf den Parkplätzen erleben wir immer wieder ein starkes Interesse von Touristen an unseren auffälligen Fahrzeugen. Wir erhalten den Tipp an einer Düne zu halten, oben auf der natürlichen Sandburg soll man einen ausgezeichneten Blick über die gesamte Nehrung erhalten. Machen wir.

Aber erst noch was essen. Ein Restaurant, direkt am Wasser gelegen, fangfrischer Fisch, und homemade Limonade soll es sein. Und es war sehr sehr köstlich. Mit dem lauen Sommerlüftchen am Wasser hätten wir nich stundenlang dort ausharren können, aber die Pflicht ruft. Und die Sanddüne. Also los. Wir sind in Europa, und natürlich geht man nicht einfach so auf eine Düne die die Natur uns Menschen zur Verfügung gestellt hat. In der Entstehung der Düne wurde auch gleich eine passende 5qm große Fläche geebnet. Dort durfte dann die Menschheit ab dem Zeitpunkt wo sie aufrecht gehen konnte ein Häuschen platziert um jeden Wandergesellen 5 EUR Wegegeld aus der Tasche zu leiern. Aber was macht man nicht alles für einen tollen Ausblick. Nur die Drohne durfte ohne Eintritt mit rauf auf  die Düne. Und der Blick war schon sehr schön. Muss man neidlos anerkennen. Barfuss durch den Sand war auch mal eine Abwechslung zu den orangen Turnschuhen die eindeutig einen FuntasticSix Member auszeichneten.

Die Ausreise in Litauen verlief ohne nennenswerte Probleme. Jetzt Einreise nach Russland. Wieder etliche Papiere ausfüllen. Was aber auffällt dass hier sehr viele gut aussehende Tamara Jagellovsk’s in den Wärterhäuschen sitzen und kontrollieren. Natürlich wieder jede für sich und ohne System, gefällt mir aber besser als mürrischen Wlademir’s oder Leonid’s gegenüber zu stehen. Und sie schauen Dir ungern in die Augen, außer den immer flüchtigen Blick ins Gesicht zum Vergleich mit dem Foto im Ausweis und Visum. Viel mehr als einmal kurz in Auto schauen war nicht. Ach ja, der Drogenspürhund ist einmal durchs Auto und wir mussten zum ersten Mal im Leben die hinteren Seitenscheiben runterfahren. Wohl um zu sehen ob Koks in der Tür versteckt war welches sich dann durch die Entwässerungslöcher unten in den Türen auf den Asphalt rieselt wenn die Fenster wie Messer die Plastikbeutel durchtrennen. Alles in Ordnung, wir sind in Russland. Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche. Ach doch, eine Sache ist ja noch passiert. Wenn man mich kennt lasse ich mich von Verbotsschildern nur mittelmäßig beeindrucken. Habe also trotz Fotografierverbot Bilder im Grenzübergang bei Russland gemacht. Und natürlich kam ein Wachposten angeflitzt, ich darf keine Fotos machen und er möchte bitte die geknipsten Bilder sehen. War auch sehr artig und habe sie ihm gezeigt, Und er hat mir dann gesagt welche (also alle vom Grenzübergang) gelöscht werden müssen. Habe ich auch artig gemacht und (intern) in den gelöschten Bilder Ordner verschoben in dem ich beim iPhone auf das Mülleimer Symbol geklickt habe. Danach habe ich sie dann aus dem Ordner wieder hergestellt 🙂

Tanks der Lapplandschiffe sind leer, also rein mit dem schön billigen Sprit und Autogas für die RMS Colonia. Der Rubel rollt. Die heutige Navigatorin SiMone hat eine Abkürzung zum Hotel in Kaliningrad gefunden. Wir konnten uns also noch mal auf Rallyemodus einstellen. Bestenfalls heftiges Kopfsteinpflaster, schlimmstenfalls Schlaglöcher und unbefestigte Straße. Und es war holprig und staubig. Am Hotel angekommen, sehr günstig, sehr nobel, also perfekte Kombi, erst mal auf’s Zimmer frisch machen.

Wir möchten noch ein wenig die Stadt erkunden. Königsberger Kathedrale stand auf dem Plan, das muss dort sein wo in der Großküche die Klopse aus Königsberg kommen. Die knappen 3 km zu Fuss waren eher ernüchternd als beeindruckend. Alles sehr grau in grau. Zerfallen, nicht schön. Wir haben uns den kern von Karin Ingrid schöner vorgestellt. Ein Denkmal mit einem Torpedoboot erinnert an das Ende des zweiten Weltkrieges, scheint sowas wie eine Gedenkstätte zu sein.

Der Rückweg zum Hotel wo wir dann im benachbarten Restaurant auch noch was essen wollen hatte eine andere Wegeführung, aber ähnliche Eindrücke. Es grau und sehr viel liegt brach herum.

Im Restaurant haben wir dann schön gegessen, sehr lecker, sehr üppig, stilvolle Getränke und pro Paar ca. 45 EUR bezahlt. Das ist Perestroika. Uns erwartet heute noch ein sehr kuschliges Bett, morgen eine sehr angenehme Dusche ohne Mücken drin, ein opulentes Frühstück und ein Zielort namens Danzig. Wir wollen um 08:00 Uhr los, daher husch husch um 00:30 ins Bett. Bis morgen.

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