Tag 01 – Es geht los. Start in Hamburg zur BSC 2019

06:00 Aufstehen. Ehrlich gesagt habe ich keine Lust. Kein Lust aufzustehen. Aber mega Lust auf die Rallye. Alle Fahrzeuge sind vorbereitet. Ok, es geht ein KfZ Schein für die RMS Colonia. Aber seit dem Film „Verschollen“ mit Tom Hanks in der Hauptrolle wissen wir: UPS liefert. Immer. Also los.

Wir treffen uns bei Jörn & Simone, aas obligatorische Abschlussvideo flott in den Kasten gedreht und ab geht die Fahrt. Bis Hamburg eigentlich nichts unspektakuläres , außer das Simone und ich das erste Mal mit der RMS Hildesia schneller als 40 km/h fahren. Uns fiel gerade ein dass wir eigentlich noch gar nicht ausgiebig mit dem Hyundai Santa Fe gefahren sind. Einzig das Vertrauen dass Fahrzeuge von Cord und Carsten im Prinzip unkaputtbar sind beruhigt uns. Cord und Carsten, beide zusammen auch Cordsten genannt hatten die beiden Santa Fe’s für ihre Tajik Rallye 2018 gekauft und danach festgestellt dass die Fahrzeuge in Aserbaidschan nicht eingeführt werden dürfen. Also hatten wir die dann kurzfristig direkt gekauft. Und das Gefühl in etwas sinnvolles investiert zu haben hatten wir bei der gemeinsamen Allgäu Orient Rallye positiv erfahren.

Das Wetter zeigt nach dem gestrigen Tag eher verhalten. Trocken, wolkig, 15 Grad. Eine glatte Halbierung zu gestern auf dem Marktplatz. Aber wenigstens regnet es nicht. Ein Umstand der sich im Laufe des Tages noch gewaltig ändern sollte.

Die Fahrt nach Hamburg zum Hotel verlief problemlos. Jetzt wird sich zeigen ob Tom Hanks nur einen Werbespot gespielt hat oder echtes Leben dokumentiert hat. Es war … das echte Leben. Die 45 Euro Postille aus Köln lag tatsächlich im Hotel. Alle happy. Also weiter in Richtung Strand Pauli zur Startaufstellung. Knapp 300 Fahrzeuge die jedes für sich einzelne als Team gelten werden heute Hamburg in Richtung Nordkap verlassen. Alles extrem gut organisiert muss ich feststellen. Geht auch anders, Insider wissen was ich meine. Ich muss schon mal sagen dass unsere Fahrzeuge auf jeden Fall auffallen, war eine guter Einfall die auffällige Lackierung im Martini Racing Design.

Wir hatten unsere Lapplandschiffe gerade in das Starting Grid einsortiert, ging es erst einmal zum offiziellen Einschreiben in die Rallye. Das Roadbook wurde ausgehändigt, 4 Flaschen irgendwas namens Überquell und ein Holzstöckchen was wie ein rohes Ei behandelt werden soll. Mir schwant Böses.

Da 2/3 des Teams heute ohne Frühstück los sind wurde erst mal was zum schnabulieren geholt.

Als das offizielle Baltic Sea Circle Kick Off gerade starten wollte standen plötzlich Roland und Sabine inkl. Des nachwüchslichen Gefolges vor uns. What a surprise. Sehr schön. Hat uns gefreut dass fleißige Leser unseres Blogs und beste Freunde uns persönlich auf dem Starting Line Up verabschieden.

Die Aufmerksamkeit unserer Fahrzeuge, vor allem der beiden Santa Fe’s ist dann auch einen anderen Team nicht entgangen. Es stellte sich heraus dass die gute Frau im Marketing bei Hyundai in Offenbach arbeitet. Das überhaupt Santa Fe so eine Rallye fahren hätte sie noch nie gehört oder gesehen. Beruhigt mich das jetzt? Oder macht mich diese Aussage eher nervös. Sie würde natürlich Mercedes fahren. Ok, ich bin jetzt geringfügig beunruhigt. Wenn die MS Wappen von Moritzberg und RMS Hildesia die Rallye überleben brechen Sie nächsten Jahr im März in Richtung Gambia auf. Eine hoffentlich sehr interessante Notiz um nach der Rallye mal direkt Kontakt zu Hyundai aufzunehmen.

Und dann ging es endlich los. So nach und nach schob sich das Starterfeld über die Rampe in Richtung Nordkap. Die Teams haben die Wahl zwischen dem Landweg über Kopenhagen der Öresundbrücke oder der Fährverbindung nach Malmö. Eigentlich beides nicht erlaubt, aber für die erste Etappe offiziell erlaubt und ohne Strafpunkte versehen. Wir haben uns für die Landroute schon im Vorfeld entschieden. Autobahn 7 erst mal bis Flensburg, dann durch Dänemark bis Kopenhagen, die Öresundbrücke bis Malmö. Enden soll der Trip uns Üstad. Das ist dort wo Kommissar Wallander neben seinem Alkoholproblem auch das Verbrechen bekämpft.

Die Fahrt bis Dänemark verlief ohne besondere Vorkommnisse. Ab der dänischen Grenze wurde das Wetter schlechter, Es regnete teilweise Unmengen. Die beiden Santa Fe’s hatten wir noch vor der Abfahrt mit neuen Wischerblättern ausgerüstet. Ein Umstand der sich jetzt äußerst bezahlt macht. Die Scheibenwischer beim BMW hingegen hatten plötzlich ein Eigenleben. Ging, ging nicht, in völlig unterschiedlichen Abständen, auch gerne mal 10 Minuten. Irgendwas war, keine Ahnung was. Da half auch nicht das dreimalige anfahren einer Tankstelle und mal so das Wischerblatt anfassen oder so. Ich hatte dann auch verstanden dass es nicht reicht dem Motor oder dem Wischergestänge gut zuzureden. Dann ging es plötzlich mal wieder, also bloß nicht wieder ausschalten, auch wenn es nicht mehr regnen sollte. Letzteres sollte nicht mehr passieren. Dann kam die berühmte Brücke, die komischerweise erst durch einen Tunnel führt. On Ostseeunterquerung hatte ich noch gar nichts gehört, naja, egal. Danach kam ja die Brücke. Simone war superschlau und hatte auch schon die Mauttickets im Vorfeld besorgt Geht wohl über Nummernschilderkennung. Und nicht warten, einfach die grüne Spur fahren und lächeln und winken. Mir war aus meiner Zeit bei der Marine gar nicht bewußt wie eng Dänemark und Schwenden zusammenlagen. Denn die Brücke war zwar schon ein wenig imposant aber ich hatte sie mir länger vorgestellt. Zum Ende der Brücke kam dann der große Einsatz unserer im Vorfeld gekauften Maut Tickets. „… grüne Spur …“ quäkte es aus Kanal 14 des PMR Funkgerätes. Von den 6 grünen Spuren suchte ich mir eine aus, und fuhr dann auch forsch und direkt vor. Die Schranke blieb geschlossen. Nur rückwärts fahren war eine Alternative. Jörn, im Vorfeld vollmundig die grüne Spur angepriesen hat es wohl selber nicht richtig glauben können. Er blieb gleich im Vorfeld vor der Vereinzelung der Spuren stehen. Das Versuchskaninchen RMS Hildesia musste also das Stück wieder zurück. Gut dass kaum bis kein Verkehr vorhanden war, es wäre der Alptraum gewesen. Festgestellt wurde dann, wir waren zwar richtig, aber die Öresundbrücke ist das nicht. Die kommt erst noch.

Und so war es dann auch, ein Monstrum aus Stahl und Eisen spante sich über die Ostsee. Keine Ahnung wie oft ich mit dem 5. Schnellbootgeschwader hier durch das Wasser durchgepflügt habe. Mit dem Auto darüber noch nie. Direkt hinter Brücke wieder die Mautstelle und die Kennzeichenerkennung funktioniert einwandfrei. Grenze zu Schweden. Grenzfoto nicht vergessen. In Dänemark haben wir es ja auch gemacht. Eine nette Tradition aus den vergangenen Rallyes. Die Grenzpolizisten fanden das keine tolle Idee, kamen schon schnellen Schrittes direkt auf uns zu. Wir haben es dann vorgezogen Leiber einfach weiter zu fahren.

Das menschliche Bedürfnis meldet sich. Wir haben noch ca. 40 km bis Üstad. Auf der Tankstelle stand noch ein anderes Team 117 Fake Taxi hatte auch den Durst ihres W124 gestillt. Unser Chief Beer Officer hat die beiden einfach mal angesprochen. Und nach dem üblichen „Was geht“, „wo kommt ihr her“, „läuft alles bei euch“ kam das Gespräch in Richtung Scheibenwischer. Es stellte sich heraus das die beiden Taxifahrer mal bei BMW gearbeitet haben. Scheint irgendwie in Mode zu sein dass man weniger dem eigenen verbundenen Automobilhersteller vertraut. Nun ja, egal. Innerhalb von 30 Sekunden waren 70% der Anbauteile unter der Motorhaube entfernt. Ob man das alles wieder zusammenbauen kann ohne die Hälfte der Schrauben übrig zu haben? Sven’s pinkfarbener Werkzeugkoffer erregte nebenbei auch noch genügend Aufmerksamkeit. Es stellte sich heraus, dass das Scheibenwischer Relais defekt ist. Jetzt kam mein großer Auftritt. Ich hatte noch einiger der „China Scheisse-Schalter“ übrig. Diejenigen mit denen wir die Zusatzscheinwerfer einschalten. Gibt es nur im 10er Pack. Und dieser Schalter spielt jetzt die intelligente Scheibenwischersteuerung. Der Beifahrer (oder Beifahrerin) hat jetzt neben der Aufgabe dem Fahrer (oder Fahrerin) mit Snacks und Getränken zu versorgen, zur allgemeiner Erheiterung beizutragen, nebenbei noch die Karten und das richtige Abbiegen (Problemfall bei den FuntasticSix) im Griff zu haben auch die Verantwortung für das Ein- und Ausschalten des Scheibenwischers. Mit dieser technischen Meisterleistung sind wir nun bis nach Üstad. Dort auf einem größeren Park- und Campingplatz ist nun das erste Nachtlager der FuntasticSix während der Baltic Sea Circle 2019. Eine Hopfenkaltschale (Männer) und Döschen Prosecco (Frauen) mit Brot, Käse und Nüsschen ging es husch husch ins Bett. Über das Kisten Tetris im BMW bei Tanja und Sven berichte ich morgen. Die Betten in den Santa Fe’s haben sich als interessant bequem herausgestellt. Gute Arbeit Jörn.

Good Night wo immer ihr auch seid. Bis später.

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